Monero vs. Zcash: Absolute Privatsphäre vs. regulatorisch konforme Privatsphäre

Das Privacy-Coin-Paradoxon und die Illusion der Krypto-Transparenz

Eine interessante Anomalie ist derzeit auf dem Krypto-Markt zu beobachten. Trotz verschärfter regulatorischer Aufsicht verzeichnen diverse Privacy Coins signifikante Wertzuwächse.

zcash mengalami kenaikan
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Dieses Phänomen stellt ein Paradoxon dar. Einerseits bewegt sich die globale Finanzwelt in Richtung totaler Überwachung, die scheinbar keinen Raum für finanzielle Anonymität lässt. Andererseits wird der Ruf des Marktes nach echter Privatsphäre immer lauter.

performa coin monero
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Ironischerweise wurzelt dieses dringende Bedürfnis nach Privatsphäre in genau jenem Feature, das bei führenden Crypto Assets wie Bitcoin und Ethereum oft als Stärke gepriesen wird, nämlich der Transparenz. Sämtliche Transaktionen auf ihren Blockchains sind öffentlich und in Echtzeit einsehbar. Viele Marktteilnehmer unterliegen dem Irrtum, dieses System biete Anonymität.

In der Realität handelt es sich präziser gesagt um Pseudo-Anonymität.
Technisch gesehen sind Wallet-Adressen und deren Salden für jedermann sichtbar. Die Identität des Besitzers in der realen Welt ist zwar nicht unmittelbar mit der Adresse verknüpft, zumindest in der Theorie.

In der Praxis ist diese Illusion der Anonymität jedoch zunehmend leicht zu durchbrechen. Der rasante Fortschritt bei Blockchain-Analysetools, wie sie von Firmen wie Arkham oder Chainalysis entwickelt werden, ermöglicht es Dritten, Transaktionsmuster präzise zu verfolgen und zu kategorisieren.

Die größte Schwachstelle in diesem Gefüge sind Centralized Exchanges (CEX). Die obligatorischen Know Your Customer (KYC) Verfahren, die von CEX implementiert werden müssen, verknüpfen effektiv die reale Identität (Ausweis, Reisepass) mit einer spezifischen Wallet-Adresse. Sobald diese Verbindung einmal hergestellt ist, verwandeln sich die gesamte Transaktionshistorie sowie alle Salden und Investitionsaktivitäten in ein offenes Hauptbuch.

Hier liegt der Kern des Problems. Viele Krypto-Nutzer argumentieren, dass Transparenz auf Systemebene zwar notwendig ist, eine absolute Transparenz auf individueller Ebene jedoch keineswegs wünschenswert sei.

Für die meisten Anleger ist die Vorstellung, dass jeder ihre Bestände und ihre Investitionshistorie einsehen kann, höchst unbehaglich. Dies ist im Grunde gleichbedeutend damit, den gesamten Inhalt des eigenen Bankkontos und das Asset-Portfolio öffentlich zur Schau zu stellen. Die Implikationen betreffen nicht nur den Komfort, sondern stellen ein reales Sicherheitsrisiko dar. Öffentliches Wissen über das Vermögen einer Person kann das Individuum und dessen Familie gefährden.

Noch kritischer ist der Bedarf an Privatsphäre auf institutioneller Ebene. Ein Finanzinstitut oder ein Großunternehmen kann unmöglich auf einer vollständig transparenten Blockchain operieren. Sämtliche Geschäftspartner, Transaktionsvolumina und strategische Asset-Akkumulationen wären für Wettbewerber leicht zu identifizieren.

Dies würde nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit untergraben, sondern es auch unmöglich machen, bestehende regulatorische Anforderungen zu erfüllen, insbesondere im Hinblick auf die Vertraulichkeit von Kundendaten. Dies ist einer der fundamentalen Faktoren, warum viele Banken und große Finanzinstitute noch zögern, vollständig in das Krypto-Ökosystem einzutreten. Sie vermissen bislang die Garantie, dass die Privatsphäre ihrer Kunden adäquat geschützt wird.

Monero (XMR): Die Benchmark für absolute Privatsphäre

monero

Diskutiert man das Segment der Privacy Coins, so konvergiert der Diskurs unweigerlich auf einen zentralen Akteur: Monero (XMR). Mit dem Marktstart im Jahr 2014 hat sich Monero nicht nur als etablierter Akteur behauptet. Vielmehr fungiert das Protokoll als die primäre Benchmark, an der sich der Erfolg anderer Privacy-Projekte messen lassen muss.

Die über ein Jahrzehnt währende Historie belegt die Resilienz des Netzwerks. Im Laufe seiner Existenz avancierte Monero zum Hauptziel für Akteure, welche die Anonymität der Blockchain kompromittieren wollen. Dies reicht von Analysefirmen mit modernsten Tools bis hin zu staatlichen Behörden. Bemerkenswert ist, dass Monero die Privatsphäre seiner Nutzer bis zum heutigen Tag erfolgreich gewahrt hat.

Monero operiert auf einem Proof-of-Work (PoW) Konsensmechanismus und wird somit, ähnlich wie Bitcoin, durch Mining gesichert. Es existiert jedoch ein fundamentaler Unterschied. Monero nutzt einen Algorithmus, der spezifisch auf ASIC-Resistenz ausgelegt ist.

ASICs sind kostenintensive Hardware-Chips für einen singulären Zweck, etwa die Berechnung von SHA-256 Hashes bei Bitcoin. Herkömmliche Chips können hier nicht konkurrieren. Der Algorithmus von Monero hingegen ist bewusst komplex gestaltet und unterliegt ständigen Anpassungen. Dies macht den Einsatz von ASICs ineffizient und ermöglicht es Nutzern mit handelsüblichen CPUs, am Mining zu partizipieren.

Das Resultat ist ein Grad an Dezentralisierung, der theoretisch jenen von Bitcoin übertrifft, dessen Mining-Sektor inzwischen von kapitalschweren Entitäten dominiert wird.

Der Wettbewerbsvorteil von Monero im Bereich Privatsphäre beruht nicht auf einem einzigen Feature. Vielmehr ist es das Zusammenspiel dreier technologischer Schichten, die standardmäßig bei jeder Transaktion aktiv sind („always on“):

  • Stealth Addresses: Diese Funktion dient dem Schutz des Empfängers. Wenn XMR transferiert werden, geht die Transaktion nicht an die öffentliche Adresse des Empfängers. Stattdessen generiert das Protokoll automatisch eine einzigartige Einwegadresse für die Transaktion, die ausschließlich für den intendierten Empfänger zugänglich ist.
  • Ring Signatures: Diese Funktion schützt den Sender. Bei der Signierung einer Transaktion wird die digitale Signatur des Senders mit einer Gruppe zufälliger Signaturen anderer Nutzer aus der Blockchain vermischt. Externe Beobachter können zwar die Validität der Transaktion verifizieren, doch ist es nahezu unmöglich, den tatsächlichen Sender zu identifizieren.
  • Confidential Transactions: Dies verschleiert das Transaktionsvolumen. Auf der Bitcoin-Blockchain ist für jeden sichtbar, dass „Wallet A 1,5 BTC an Wallet B sendet“. Bei Monero ist lediglich erkennbar, dass „Wallet A XMR an Wallet B sendet“. Der exakte Betrag bleibt der Öffentlichkeit verborgen.

Hinsichtlich der Performance verfügt Monero über ein dynamisches Block-Size-Design. Die Blöcke können bei Netzwerkauslastung flexibel skalieren. Diese Architektur erlaubt es Monero theoretisch, hohe Transaktionsvolumina von bis zu 2.000 Transaktionen pro Sekunde (TPS) zu bewältigen. Dies liegt auf einem Niveau, das mit der Kapazität von Visa vergleichbar ist.

Dies erfordert jedoch einen Trade-off. Die Finalität der Transaktionen liegt im Bereich von 20 bis 40 Minuten. Die Entwickler von Monero betrachten dies als den notwendigen Preis für die mehrschichtige kryptographische Sicherheit.

Auch das ökonomische Modell differenziert sich. Nachdem in den ersten sechs Jahren 18 Millionen XMR geschürft wurden, wechselte Monero im Jahr 2022 in die Phase der Tail Emission. In dieser Phase werden permanent 0,6 neue XMR pro Block generiert. Das bedeutet, dass Monero keinen fixen „Hard Cap“ beim Angebot besitzt. Ziel ist es, die Miner langfristig zu incentivieren, das Netzwerk zu sichern, während gleichzeitig eine stabile und niedrige Inflationsrate gewährleistet wird.

Zcash (ZEC) und die Philosophie der optionalen Privatsphäre

Zcash

Während Monero für absolute und nicht verhandelbare Privatsphäre steht, verfolgt Zcash (ZEC) einen gänzlich anderen Ansatz. Das im Jahr 2016 lancierte Protokoll ist faktisch ein Fork von Bitcoin. Die Intention bestand darin, eine privatere Version von Bitcoin zu schaffen, wobei Kerncharakteristika wie der Max Supply von 21 Millionen Coins beibehalten wurden.

Zcash nutzt ebenfalls einen Proof-of-Work (PoW) Mechanismus, basierend auf dem Equihash-Algorithmus. Ursprünglich war Zcash so konzipiert, dass es mit handelsüblicher Hardware geschürft werden konnte, analog zur Dezentralisierungsphilosophie von Monero. Dieses Paradigma verschob sich jedoch im Mai 2018, als Bitmain spezifische ASIC-Miner für Zcash auf den Markt brachte.

Seither ist das Mining von Zcash faktisch nur noch mit kostenintensiver Spezialhardware möglich. Diese Entwicklung verdrängte Heim-Miner effektiv und führte zu einer Reduktion des Dezentralisierungsgrades.

Die fundamentalste Divergenz zwischen Zcash und Monero liegt in der operativen Philosophie. Während Privatsphäre bei Monero obligatorisch und permanent aktiv ist, ist sie bei Zcash optional. Nutzer können den Grad der Privatsphäre für jede Transaktion individuell wählen.

Dies wird durch zwei Adress-Typen ermöglicht:

  • T-Addresses (Transparent): Diese fungieren exakt wie Bitcoin-Adressen. Sämtliche Transaktionsdetails, inklusive Sender, Empfänger und Betrag, sind auf der Blockchain öffentlich einsehbar.
  • Z-Addresses (Shielded): Diese nutzen die Kerntechnologie von Zcash, bekannt als ZK-SNARKs. Bei Transaktionen von oder zu einer Z-Address werden die Details obfusziert.

Die Kombination dieser Adressen schafft Flexibilität. Eine Transaktion zwischen zwei T-Addresses ist zu 100 % öffentlich. Sendet eine Z-Address an eine T-Address, sind für die Öffentlichkeit nur Empfänger und Betrag sichtbar. Umgekehrt, sendet eine T-Address an eine Z-Address, ist lediglich der Absender bekannt.

Vollständige Privatsphäre wird nur erreicht, wenn sowohl Sender als auch Empfänger Z-Addresses nutzen. In diesem Szenario ist die Transaktion komplett privat.

Technologisch ist die Implementierung von Zcash hochkomplex und hat sich bislang als resistent gegen Blockchain-Analysefirmen und staatliche Akteure erwiesen. Ironischerweise erfolgt der Großteil der Transaktionen im Zcash-Netzwerk jedoch öffentlich.

Diese strategische Schwäche ist nicht technologischer Natur, sondern extern bedingt. Die Mehrheit der Centralized Exchanges (CEX), die an KYC-Regeln gebunden sind, unterstützt keine Ein- oder Auszahlungen via Z-Addresses. Sie autorisieren lediglich Transaktionen zu transparenten T-Addresses. Dies stellt eine massive Barriere für die Adoption der eigentlichen Privatsphäre-Features dar.

Ein Schlüsselfeature, das Zcash fundamental von Monero differenziert, sind die „Viewing Keys“. Diese Funktion erlaubt es Inhabern von Z-Addresses, Dritten – wie etwa Wirtschaftsprüfern oder Steuerbehörden – freiwillig einen „Read-only“-Zugriff zu gewähren, ohne die Kontrolle über die Assets abzugeben.

Dies ist die wahre DNA von Zcash. Es wurde nicht als „Dark Money“ konzipiert, sondern als System für „auditierbare Privatsphäre“ oder „konforme Privatsphäre“.

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Das Regulierungsdilemma und reale Anwendungsfälle

Alle technologischen Vorzüge der Privacy Coins erweisen sich letztlich als ein zweischneidiges Schwert. Ihre Fähigkeit, Transaktionsspuren zu obfuszieren, ist ihr primäres Wertversprechen, doch genau diese Eigenschaft alarmiert die Regulierungsbehörden weltweit.

Die Bedenken der Regulatoren sind fundiert. Aus staatlicher Perspektive schafft absolute finanzielle Privatsphäre einen idealen Nährboden für illegale Aktivitäten. Privacy Coins können Geldwäsche (AML), Steuerhinterziehung und Terrorismusfinanzierung signifikant erleichtern.

Ferner fungieren diese Coins potenziell als Treibstoff für Schwarzmärkte, die vom Drogenhandel bis zum Verkauf gestohlener Daten reichen. Während Kriminelle früher logistische Schwierigkeiten hatten, große Mengen Bargeld zu verbergen, bieten Privacy Coins eine nahezu unauffindbare Lösung zur Vermögensverschiebung. Die Technologien von Monero und Zcash haben sich, sofern korrekt angewendet, über Jahre als resistent gegen Entschlüsselungsversuche erwiesen.

Aufgrund dieser Risiken stehen Privacy Coins unter immensem regulatorischen Druck. Eine der gravierendsten Folgen für Investoren sind die Delistings von großen Centralized Exchanges (CEX) wie Binance oder OKX.

Für die Börsen ist dies eine reine Entscheidung der Business-Compliance. Um legal operieren zu können, müssen sie strikte Anti-Geldwäsche-Richtlinien befolgen und KYC implementieren. Privacy Coins stehen inhärent im Widerspruch zu diesen Mandaten, weshalb ein Delisting oft die einzige Option für die Betreiber bleibt.

Es wäre jedoch eine verengte Sichtweise, Privacy Coins ausschließlich mit Kriminalität zu assoziieren. Es existieren legitime und essentielle Anwendungsfälle:

  • Persönliche Sicherheit: Wie bereits erörtert, ist die öffentliche Einsicht in Vermögenswerte und Transaktionshistorien für viele Individuen inakzeptabel. Es geht hierbei nicht nur um Privatsphäre, sondern um reale Risikoprävention. Wer öffentlich als Inhaber großer Mengen Crypto Assets identifiziert wird, kann zur Zielscheibe für Erpressung oder physische Gewalt werden; dies gilt ebenso für Familienangehörige.
  • Schutz von Geschäftsgeheimnissen: Unternehmen, die auf der Blockchain operieren, müssen sensible Daten schützen. Sie können es sich strategisch nicht leisten, dass Wettbewerber Einblick in ihre Lieferantenbeziehungen, Zahlungsvolumina oder Kapitalflüsse erhalten.

Der technisch faszinierendste Anwendungsfall ist die Funktion von Privacy Coins als Anonymitätsschicht für transparente Blockchains wie Bitcoin. Die Bitcoin-Blockchain ist ein öffentliches Hauptbuch (Public Ledger). Kennt jemand Ihre Bitcoin-Adresse, sind Historie und Salden transparent. Selbst bei Transfers auf neue Wallets bleibt die Spur für Analysten verfolgbar.

Hier agieren Privacy Coins als Mechanismus zur „Entkopplung der Rückverfolgbarkeit“. Analysieren wir den Mechanismus eines „Atomic Swap“ (BTC > XMR > BTC):

  • Schritt 1: Ein Nutzer hält 1 BTC auf einer öffentlichen Wallet (Wallet ABC). Ein Blockchain-Analyst kann diesen Saldo einsehen. Der Nutzer verwendet einen Atomic Swap (dezentraler Tausch), um diesen 1 BTC gegen beispielsweise 50 XMR auf eine neue Monero-Wallet (Wallet XYZ) zu tauschen.
  • Schritt 2: Für den Analysten endet die Spur hier: „Wallet ABC sendet 1 BTC an Swap-Adresse“. Sobald die Gelder im Monero-Netzwerk (Wallet XYZ) ankommen, bricht die Kette ab. Der Analyst kann den Verbleib der 50 XMR nicht mehr nachvollziehen.
  • Schritt 3 (Kritisch): Tauscht der Nutzer die 50 XMR von Wallet XYZ sofort zurück in eine neue Bitcoin-Wallet, könnten Analysten über zeitliche Korrelationen oder Betragsähnlichkeiten Zusammenhänge herstellen.
  • Schritt 4 (Die Lösung): Um die Spur vollständig zu verwischen, muss der Nutzer „Mixing“ innerhalb des Monero-Netzwerks betreiben. Er transferiert die 50 XMR intern zwischen verschiedenen eigenen Monero-Wallets (z. B. Wallet DEF und GHI). Da Monero-Transaktionen privat sind, ist diese interne Bewegung unsichtbar.
  • Endergebnis: Wenn der Nutzer schließlich XMR von der letzten Monero-Wallet (z. B. Wallet GHI) in eine neue Bitcoin-Wallet tauscht, ist es für Dritte faktisch unmöglich zu beweisen, dass diese BTC ursprünglich von Wallet ABC stammten. Die Transaktionshistorie des Bitcoin wurde effektiv „bereinigt“.

Der Mittelweg zur Adoption: ZK-SNARKs und die Ära der „Compliant Privacy“

Es ist offensichtlich, dass das Potenzial von Privacy Coins enorm ist. Mit der zunehmenden Digitalisierung des Lebens wird die Nachfrage nach finanzieller Privatsphäre aller Wahrscheinlichkeit nach korrelierend steigen. Wenn Privacy Coins jedoch den Sprung vom spekulativen Instrument zur breit adoptierten Technologie schaffen wollen, können sie keinen dauerhaften Konflikt mit den Regulierungsbehörden führen. Sie müssen einen „Mittelweg“ finden.

Ein prägnantes Exempel für diese Dynamik liefert der Fall Tornado Cash. Tornado Cash war kein Coin, sondern ein dezentrales Mixer-Protokoll auf dem Ethereum-Netzwerk. Es ermöglichte Nutzern, Assets einzuzahlen und über eine andere Wallet abzuheben, was die Transaktionsspur effektiv unterbrach.

Im August 2022 verhängte das US-Finanzministerium (OFAC) harte Sanktionen gegen das Protokoll. Es wurde auf eine schwarze Liste gesetzt, was die Nutzung für US-Bürger illegal machte. Die Website wurde abgeschaltet, das GitHub-Repository eingefroren und einer der Entwickler verhaftet.

Obgleich die Sanktionen im November 2024 juristisch aufgehoben wurden (mit dem Urteil, dass Protokoll-Software an sich nicht sanktionierbar sei), ist der Schaden bereits angerichtet. Dieser Fall beweist, dass absolute und kompromisslose Privatsphäre zwangsläufig auf harten Widerstand staatlicher Institutionen trifft.

An diesem Punkt wird der technologische „Mittelweg“ unverzichtbar. Die vielversprechendste Lösung liegt in der Implementierung von Zero-Knowledge Proofs, insbesondere jener Variante, die als ZK-SNARKs bekannt ist.

Das Kernkonzept von Zero-Knowledge ist simpel: „Ich beweise dir, dass ich ein Geheimnis kenne, ohne dir das Geheimnis selbst zu verraten.“

ZK-SNARKs stellen eine der effizientesten Implementierungen dieses Konzepts dar. „SNARK“ ist ein Akronym für Succinct Non-Interactive Argument of Knowledge:

  • Succinct (Kompakt): Der generierte mathematische „Beweis“ ist extrem klein, oft nur wenige Kilobyte groß, und lässt sich sehr schnell verifizieren.
  • Non-Interactive (Nicht-Interaktiv): Der entscheidende Vorteil ist, dass der Beweiser (z. B. Sie) nicht in einen Dialog mit dem Verifizierer (z. B. dem Regulator) treten muss. Sie generieren lediglich eine kleine Beweis-Datei, versenden diese und das System kann sie augenblicklich validieren.

Wie schafft diese Technologie nun eine „Compliant Privacy“ für AML/KYC? Betrachten wir folgendes Szenario:

Stellen Sie sich vor, Sie möchten eine Decentralized Exchange (DEX) nutzen. Der Regulator schreibt vor, dass die DEX nur von Personen genutzt werden darf, die (A) nicht aus einem sanktionierten Staat stammen und (B) nicht auf einer Terrorliste stehen. Wie beweisen Sie diese zwei Fakten, ohne Ihren Personalausweis und Ihre Wohnadresse auf die Blockchain hochzuladen?

Die Lösung liegt in der selektiven Offenlegung (Selective Disclosure) mittels ZK-SNARKs:

  1. Einmalige Verifizierung: Sie gehen zu einer akkreditierten Institution (beispielsweise Ihrer Hausbank) und weisen sich privat aus.
  2. Erstellung des Beweises: Die Bank übermittelt keine Personaldaten. Stattdessen führt sie ein ZK-SNARK-Programm aus, das eine kleine „Beweis-Datei“ generiert. Dieser Beweis bestätigt mathematisch: „Ich habe den Besitzer von Wallet 0x123 verifiziert. Ich garantiere, er stammt (A) NICHT aus einem sanktionierten Land und steht (B) NICHT auf einer Terrorliste.“
  3. Nutzung des Beweises: Sie gehen zur DEX. Bei der Aufforderung übermitteln Sie lediglich die ZK-SNARK Beweis-Datei.
  4. Ergebnis: Das System der DEX verifiziert den Beweis in Bruchteilen einer Sekunde und gewährt Zugriff. Der Regulator ist zufrieden, da die AML/KYC-Compliance erfüllt ist. Sie sind zufrieden, da niemand Ihren Namen oder Ihre Herkunft erfährt.

Es ist wichtig zu differenzieren, dass es sich hierbei um die Anwendung von ZK-SNARKs für die IDENTITÄTS-Privatsphäre handelt, ein Feld, das von Projekten wie Polygon ID vorangetrieben wird. Dies unterscheidet sich nuanciert von der Nutzung durch Zcash, dessen Fokus primär auf der TRANSAKTIONS-Privatsphäre liegt.

Monero vs. Zcash: Der Kampf der Zukunftsvisionen

Aus den vorangegangenen Analysen leitet sich die Kernfrage ab: Welches Privatsphäre-Modell wird sich künftig durchsetzen? Die absolute Privatsphäre von Monero oder die optionale, konforme Privatsphäre von Zcash?

Es steht außer Debatte, dass Monero als Krypto-Projekt hinsichtlich Blockchain-Privatsphäre etabliert und ausgereift ist. Es bietet robuste, dezentrale und permanente Privatsphäre. Doch genau diese „kompromisslose“ Philosophie markiert zugleich die größte Limitation. Aus Perspektive der Rechtskonformität stellt Monero für Regulatoren ein massives Problem dar. Es bietet keine „Backdoor“ oder Methoden für unautorisierten Systemzugriff und keinerlei Audit-Mechanismen. Folglich wird Monero aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin regulatorischem Druck und Delistings ausgesetzt sein und zunehmend in limitierte Nischenmärkte gedrängt werden.

An diesem Punkt präsentiert Zcash eine gänzlich andere Vision.

Auch wenn die Adoption der Privatsphäre-Features (Z-Addresses) aufgrund von Börsen-Hürden aktuell gering ist, ist das Design von Zcash fundamental besser auf die Zukunft vorbereitet. Zcash bietet den „Mittelweg“.

Das Protokoll akkommodiert regulatorische Anforderungen auf zwei Wegen. Erstens ermöglichen T-Addresses (Transparent) den Börsen die Einhaltung von KYC/AML-Regeln. Zweitens erlauben „Viewing Keys“ den Nutzern, insbesondere Institutionen, Behörden wie dem Finanzamt freiwillig Audit-Zugriff zu gewähren, ohne die Privatsphäre gegenüber der Öffentlichkeit oder Wettbewerbern zu opfern.

Geht man davon aus, dass die finanzielle Zukunft weder rein schwarz-weiß ist noch totale Transparenz zur Kriminalitätsbekämpfung erfordert, dann besitzt Technologie, die beide Ansprüche ausbalanciert, den größten Wettbewerbsvorteil.

Monero repräsentiert absolute finanzielle Privatsphäre. Zcash konkurriert um den Status der „konformen finanziellen Privatsphäre“.

Ein konkretes Beispiel: Ein Individuum möchte seine Gehaltsdetails vor Nachbarn und Kollegen verbergen (via Z-Address), ist aber bereit, dieses Einkommen dem Finanzamt zu melden (via Viewing Key). Monero kann dieses Szenario nicht abbilden; Zcash hingegen schon.

Sollte die zukünftige Krypto-Adoption, primär durch Institutionen und Finanzdienstleister, von der Fähigkeit zur Koexistenz mit globalen Rechtsrahmen abhängen, ist das Modell von Zcash theoretisch weit überlegen. Technologien, die einen Mittelweg zwischen individueller Privatsphäre und öffentlicher Compliance bieten, verfügen langfristig fast immer über den klareren Adoptionspfad.


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